“Du kennst mich doch noch”-Kunde, der (aus dem “Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene im Buchhandel”)

Je nach Größe und Kundenaufkommen  in einer Buchhandlung bedient jeder Buchhändler ca. 5-30 Kunden pro Stunde, was für einen normalen Arbeitstag im Durchschnitt etwa 50, im Weihnachtsgeschäft gerne über 100 Kunden am Tag bedeutet, denen der stets freundliche Buchhändler Bücher bestellt, abkassiert, ein bisschen als Geschenk verpackt, in die Tüte stopft und jeden dieser Kunden verabschiedet er mit einem stets höflichen, individuellen und nur für diesen Kunden bestimmten “Einen schönen Tag noch”. Im Weihnachtsgeschäft ist es schon eine Leistung an und für sich, das eben verpackte Buch der richtigen Dame um die 70 mit Blumenkohlfrisur in die Hand zu drücken die sich während des Einpackens noch ein wenig umschaut. Im Gegenzug hat der Kunde meist nur mit einem Buchhändler in der Woche zu tun und von diesem will er bitte wiedererkannt und mit Namen benannt werden. Continue reading

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Messie-Kunde, der (aus dem “Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene im Buchhandel”)

Auch als “Gibt’s hier was umsonst?”-Kunde bekannt, betritt diese Spezies von vorneherein die Buchhandlung ohne die Absicht, auch nur einen Cent dazulassen. Vielmehr besteht ein nahezu sportlicher Ehrgeiz darin, so viele Gegenstände wie möglich auf legalem Wege mitzunehmen, ohne dafür bezahlen zu müssen. Kaum hat dieser Mensch den Laden betreten, läuft er die Regale ab und steckt sämtliche Prospekte, Werbehefte, Lesezeichen und Leseproben in seine Tasche, die er finden kann, Thema – egal, Verlag – egal, Hauptsache umsonst. Dann mustert er mit kennerischem Blick den Kassentisch. Liegt da vermutlich etwas dahinter, was er als kaufender Kunde bekommen könnte? Gibt es hier vielleicht die Tüten umsonst? Continue reading

Nicht-das-obere-Buch-Kunde, der (aus dem “Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene im Buchhandel”)

Dieser doch recht häufig vertretene Kundenkreis tritt zunächst für den Buchhändler recht angenehm auf. Der Kunde stöbert eigenständig im Laden, tritt zu diesem und jenem Bücherstapel, liest in die Titel rein und trifft schließlich alleine seine Kaufwahl. Dann jedoch legt er das Buch, in welchem er lange gelesen hat und auf das die Wahl gefallen ist, zurück auf den Bücherstapel, fischt das unterste Buch umständlich heraus und stiefelt damit zur Kasse. Hat er den Titel seiner Wahl nicht von einem Bücherstapel geangelt, sondern aus dem Regal gefischt, hört man die Frage: “Ist das das letzte, das Sie da haben?” oder auch “Haben Sie das Buch nochmal eingeschweißt?” Denn ein offenes Buch möchte er eigentlich gar nicht kaufen, auch nicht wenn es ein Taschenbuch ist, dann doch lieber das gleiche noch mal neu beim Großhändler zum nächsten Tag bestellen. Continue reading

50-Tüten-Kunde, der (aus dem “Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene im Buchhandel”)

Dieser Spezies fällt es zunächst schwer, den Laden überhaupt zu betreten, denn es ist nicht einfach die 50 Tüten, die da unterm Arm getragen werden und offensichtlich aus sämtlichen Boutiquen, Feinkostläden, Blumenständen und Elektrofachhandlungen aus der näheren Umgebung zusammengeklaubt wurden durch die doch allzu schmale Tür zu bugsieren. Kaum wurde diese Hürde genommen, verteilt der Kunde seine Tüten strategisch im Raum, während er hier und dort ein Buch begutachtet, welches eventuell gekauft werden will. Schließlich ist die Wahl getroffen und der Kunde beginnt, sämtliche Beutel die er mitgebracht hat wieder einzusammeln und zur Kasse zu tragen. Continue reading

Exotenthemenkunde, der (aus dem “Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene im Buchhandel”)

Zielsicher stapft er in die kleinste Buchhandlung im Umkreis von 50 km (geschätzte Verkaufsfläche 30 qm) und fragt den Buchhändler mit voller Überzeugung: “Welche Bücher haben Sie denn zum Thema “Pferdefußball” da?” Auf die mit mindestens genauso großer Überzeugung kommende Antwort “Nichts, das Thema ist nicht so gefragt, aber wir können mal schauen, was man da so bestellen könnte” zieht dieser Kunde ein langes ratloses Gesicht, welches sich binnen Sekunden in Empörung verwandeln kann, denn: Dieser Kunde hat sein Hobby gefunden und es ist ein wundervolles und sehr wichtiges Hobby, wie kann es da sein, dass nicht an jeder Straßenecke Bücher zu diesem Thema herumliegen? Continue reading

“Gibt’s das schon als Taschenbuch?”-Kunde, der (aus dem “Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene im Buchhandel”)

Nach Betreten des Ladens steuert dieser Kunde gezielt den Hardcover-Novitäten-Tisch an, um jedes der ausliegenden Bücher in die Hand zu nehmen, den Klappentext zu lesen, es schwer in der Hand hin und her zu wiegen und dann wieder bei Seite zu legen. Irgendwann ruft er dann den Buchhändler zu sich, denn er hat da mal eine Frage: “Gibt’s das denn schon als Taschenbuch?” “Äh nein, das hat heute Erstverkaufstag im Hard-Cover, das dauert noch geschätzte 1,5 Jahre” “Und dies? Gibt’s dies schon als Taschenbuch?” und – man will ja nicht geizig wirken “Wissen Sie, ich lese ja immer im Liegen und da sind die gebundenen Bücher so schwer” Continue reading

Eisesser, der (aus dem “Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene im Buchhandel”)

Kaum betritt dieser Kunde – den natürlichen Feind des Buches fest mit der Hand umklammernd – den Laden, springen gleich drei hilfsbereite Buchhändler zu ihm hin, in der Hoffnung, ihn  mit einer schnellen Befriedigung der Bedürfnisse binnen Sekunden wieder aus der Buchhandlung befördern zu können. Doch die Antwort auf alle Fragen lautet zwangsweise: “Nein danke, ich schau mich nur um” Als Reaktion bleibt der Buchhändler hilflos in der Nähe dieses Kunden stehen und belauert das Hassobjekt Nummer eins argwöhnisch. Continue reading

Im-falschen-Laden Kunde, der (aus dem “Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene im Buchhandel”)

Ein Phänomen, das besonders gern in Verbindung mit Kundenflauten im Tagesgeschäft auftritt und bei steigender Häufigkeit den letzten Nerv rauben kann ist der sogenannte Im-falschen-Laden-Kunde. Besonders häufig ist eine Verwechslung des Buchhandels mit einem Schreibwarenladen zu beobachten. So fragt der Kunde, der sich in die Buchhandlung verirrt hat nach Briefumschlägen, Druckerpapier, Kugelschreibern und ähnlichem. Continue reading

Anno-dazumal-Kunde, der (aus dem “Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene im Buchhandel”)

Der Anno-dazumal-Kunde wiegt den Buchhändler zunächst in der Sicherheit, ein leicht lösbares Problem darzubieten. Er zieht meist ein leicht vergilbtes, an den Seiten schon ein wenig ausgefranstes Buch aus der Tasche mit der stets freundlich und höflich formulierten Frage: “Können Sie mir das bitte neu bestellen?” Doch der erfreute Buchhändler, dankbar darüber, dass hier sämtliche Informationen über das gesuchte Buch in greifbarer Nähe sind, und in der stillen Hoffnung, er müsse hier nur flugs die ISBN abtippen, gerät bei näherer Betrachtung des Buches schnell in Verzweiflung.

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Zu-dir-geh-ich-nicht-Kunde, der (aus dem “Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene im Buchhandel”)

Dass der Buchhändler des Vertrauens mitunter der einzige Buchhändler des Vertrauens sein kann, beweist dieser Kundentypus in aller Deutlichkeit. Er möchte von einem speziellen Buchhändler bedient werden und nur von diesem einen. Insbesondere neue Kollegen oder gar Auszubildende würdigt diese Spezies keinen Blickes. Fragen, ob man helfen könne winkt der Kunde nervös ab, mitunter auch mit deutlichen Worten: „Nein danke, ich warte gerne auf ihren Kollegen“, dann trippelt er umher und vertreibt sich die Zeit, während der gewünschte Kollege gerade einen Kunden in aller Ausführlichkeit darüber berät, was man 50 verschiedenen Menschen zu Weihnachten schenken könne. Nein, der Zu-dir-geh’-ich-nicht-Kunde hat Zeit, er wartet, er will von diesem speziellen Buchhändler seines Vertrauens bedient werden. Continue reading