“Du kennst mich doch noch”-Kunde, der (aus dem “Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene im Buchhandel”)

Je nach Größe und Kundenaufkommen  in einer Buchhandlung bedient jeder Buchhändler ca. 5-30 Kunden pro Stunde, was für einen normalen Arbeitstag im Durchschnitt etwa 50, im Weihnachtsgeschäft gerne über 100 Kunden am Tag bedeutet, denen der stets freundliche Buchhändler Bücher bestellt, abkassiert, ein bisschen als Geschenk verpackt, in die Tüte stopft und jeden dieser Kunden verabschiedet er mit einem stets höflichen, individuellen und nur für diesen Kunden bestimmten “Einen schönen Tag noch”. Im Weihnachtsgeschäft ist es schon eine Leistung an und für sich, das eben verpackte Buch der richtigen Dame um die 70 mit Blumenkohlfrisur in die Hand zu drücken die sich während des Einpackens noch ein wenig umschaut. Im Gegenzug hat der Kunde meist nur mit einem Buchhändler in der Woche zu tun und von diesem will er bitte wiedererkannt und mit Namen benannt werden. “Ich würde gern das Buch abholen, das ich gestern bei Ihnen bestellt habe” “Wie ist denn Ihr Name, bitte?” *Blick der Marke ‘Wie, Sie erinnern sich nicht?’ als Antwort* “Ja, also die Sache über die wir gestern gesprochen haben, ich will das dann doch nicht. Bestellen Sie das bitte ab. Auf Wiedersehen!” *Ratloser Blick des Buchhändlers der Marke ‘Wer zur Hölle war das, um welches Buch ging es und wie soll ich das jetzt abbestellen, ohne dass ich den Namen weiß?’*

Ja, es gibt sie, die Stammkunden die einmal die Woche erscheinen, die der Buchhändler mit Namen kennt, manchmal mehr mag, manchmal weniger, es gibt die Frau B.’s, bei denen man schon wenn sie durch die Tür kommen weiß, was man empfehlen kann, die Herr K.’s mit denen man gerne scherzt und die Frau M.’s bei denen man schon weiß “Och nee, die nächste Eso-Titel-Liste”. Aber abgesehen davon sind Kunden doch eher eine große Masse, die man ebenso schnell wieder vergisst wie sie den Laden verlassen haben. Die Namen entfallen in der gleichen Geschwindigkeit, in denen man sie in den PC getippt hat und wenn man sich doch durch Zufall mal ein Kundengesicht merkt, so hängt dies meist mit einer negativen Erfahrung zusammen “Och nee, jetzt kommt die Kundin ihr Buch abholen, die mir gestern beim Bestellen die ganze Zeit den Arm getätschelt hat. Ich muss weg, sollen meine Kollegen das machen.”

Häufig befallen: Alle Altersgruppen beiderlei Geschlechts

Mögliche Gegenmaßnahmen: Das Peinlichkeitsgefühl, wenn man nach einem 10-minütigen Kundengespräch oder am Ende eines Telefonats erneut nach dem Namen fragt erledigt sich schon nach wenigen Tagen in diesem Beruf. Ansonsten: Lächeln und “Einen schönen Tag noch!”

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