Zu-dir-geh-ich-nicht-Kunde, der (aus dem “Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene im Buchhandel”)

Dass der Buchhändler des Vertrauens mitunter der einzige Buchhändler des Vertrauens sein kann, beweist dieser Kundentypus in aller Deutlichkeit. Er möchte von einem speziellen Buchhändler bedient werden und nur von diesem einen. Insbesondere neue Kollegen oder gar Auszubildende würdigt diese Spezies keinen Blickes. Fragen, ob man helfen könne winkt der Kunde nervös ab, mitunter auch mit deutlichen Worten: „Nein danke, ich warte gerne auf ihren Kollegen“, dann trippelt er umher und vertreibt sich die Zeit, während der gewünschte Kollege gerade einen Kunden in aller Ausführlichkeit darüber berät, was man 50 verschiedenen Menschen zu Weihnachten schenken könne. Nein, der Zu-dir-geh’-ich-nicht-Kunde hat Zeit, er wartet, er will von diesem speziellen Buchhändler seines Vertrauens bedient werden. Zwar wird er mitunter nervös, wirft fragende Blicke in den Raum, schaut sich unsicher  nach dem Däumchen-drehenden Auszubildenden um, ob der vielleicht dieses eine Mal doch ausreichen würde, entscheidet sich dann jedoch stets dagegen: Er wartet. Die Minuten ziehen ins Land, der Laden wird voller, inzwischen ist der ehemals Däumchen-drehende Buchhändler seinerseits an der Kasse mit einer ellenlangen Schlange beschäftigt, die bezahlen, Bücher abholen und als Geschenk verpackt haben möchte. Da beendet der Buchhändler des Vertrauens endlich das geführte Gespräch, wendet sich dem Zu-dir-geh-ich-nicht-Kunden zu: „Was kann ich für Sie tun?“ „Nun ja, äh, ich möchte gerne dieses Buch bezahlen.“ „Zum Bezahlen gehen Sie bitte zu meiner Kollegin an der Kasse“ Der spöttische Blick, mit dem der Kollege auf die lange Schlange vorm Kassiertisch und dem dahinter stehenden Auszubildenden weist, spricht Bände.

Häufig betroffen: gut betuchte Kunden 30+

Mögliche Gegenmaßnahmen: Als “Neuling” nicht das Ego ankratzen lassen, zurücklehnen, und genießen, dass ebenjener Tatscher auch ein Zu-dir-geh-ich-nicht-Kunde ist.

Nachtrag: Die andere Perspektive, so wird mir inzwischen bewusst, ist natürlich der “Ich-geh-nur-zu-dir-Kunde”.  Diesem muss wohl bei Gelegenheit ein eigenes Kapitel gewidmet werden, denn er ist meist für den tatsächlichen Buchhändler des Vertrauens nicht minder unangenehm.

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